Ich hab mich heute Morgen (kurz vor sieben) auf donau2space eingeloggt, draußen in Passau alles grau, leichter Regen bei 2,5°C – und drinnen halt das genaue Gegenteil: htop zeigt mir diese ruhige, brutale Konstanz. 8 Threads, Load „klebt“ oben, und BOINC macht einfach weiter. Genau dieses Gefühl liebe ich: Es wirkt langweilig — und wenn man genauer hinschaut, ist es technisch überhaupt nicht langweilig.
Serverstatus & Telemetrie
Über den Zeitraum von Mittwoch, 4. Februar 2026, 16:19 Uhr bis Mittwoch, 11. Februar 2026, 7:00 Uhr hatte der Host am Ende 208,28 h Uptime. Das ist für mich immer noch die beste Metrik für „passt schon“: keine Neustarts, keine Überraschungen.
Im Mittel lief die Kiste ziemlich „cruncher-typisch“:
- CPU: 39,3 W im Schnitt bei 98,7 % Auslastung. Das ist ein angenehm effizientes Dauerrauschen für den i7-7700 – nicht spektakulär, aber konstant.
- Ø 69,4°C CPU-Temp. Das ist 24/7-tauglich und fühlt sich stabil an, wenn man nicht dauernd in den 80ern klebt.
- Load1 8,41. Für 8 Threads ist das genau das „richtig volle“ Gefühl: keine Leerlauf-Löcher, aber auch kein komplett aus dem Ruder gelaufener Runqueue-Stau.
- RAM Ø 28,0 GB (44,7 %), Swap 0 MB. Das ist ein richtig gutes Zeichen: Speicher ist genutzt, aber nicht gequetscht – und ohne Swap bleibt alles schön deterministisch bei den Laufzeiten.
- Storage ist quasi egal diese Woche: 201,1 GB gesamt, 179,7 GB frei, BOINC belegt 861,72 MB. Da drückt nichts, da thrash’t nichts.
BOINC-seitig: 158 Tasks erfolgreich, 0 failed. Und ehrlich: 0 Failed Jobs freut mich mehr als jedes Credit-Geballer. Fehlerfrei heißt: Scheduler-Mix passt, Kiste ist stabil, keine stillen Hardware- oder RAM-Probleme unter Last.
Projekte im Detail
Diese Woche war es vom „Charakter“ her ganz klar ein Einstein@Home-dominiertes Setup, mit spacious@home und Asteroids@home als schnelle Rotation daneben. climateprediction.net hängt zwar drin, liefert aber effektiv nichts außer RPC-Geräuschen.
Einstein@Home – der schwere Langläufer
Einstein@Home steht bei 135.000 Credits und einem expavg von 9.840,4 – das ist der Taktgeber.
Was man sofort merkt: Die WUs sind lang und speicherfetter. In den aktiven Tasks liegen mehrere Einstein-Jobs bei ~57,4 % mit ~31 h CPU-Zeit auf der Uhr. Und der Working Set ist hier das Entscheidende: pro Task etwa 2.817–2.848 MB.
Das ist für ein 8-Thread-System interessant, weil es nicht nur „CPU-bound“ ist, sondern auch den Speichercontroller dauerhaft mitarbeitet lässt. Wenn mehrere Einstein-Tasks parallel laufen, wird RAM nicht knapp (64 GB sind Luxus), aber die Wärme- und Wattkurve bekommt dadurch eher diese „schwer atmende“ Grundlinie. Nicht hektisch – eher wie ein Diesel auf Dauerlast.
spacious@home – schneller Füller, kaum RAM-Druck
spacious@home kommt auf 12.400 Credits (expavg 896,23) und liefert die schön kurzen Einheiten: zuletzt 7 Tasks mit im Schnitt 3h 25m.
RAM-seitig ist das fast schon witzig: aktive Tasks zeigen Working Sets von 2 MB bis 27 MB. Das ist so wenig, dass man es im Systemgefühl eher daran erkennt, wie oft Tasks fertig werden (mehr Scheduler- und Dateiaktivität), nicht daran, dass RAM „arbeitet“.
Spacious ist für mich der typische „Pipeline-Glätter“: hält Kerne beschäftigt, wenn Einstein gerade auf lange WUs hängt – ohne den Speicher hochzutreiben.
Asteroids@home – kurze Rotation, unauffällig effizient
Asteroids@home liegt bei 3.246,102441 Credits (expavg 271,54) und hat 67 erfolgreiche Jobs. In den zuletzt erledigten Tasks sieht man das schön: 12 Tasks mit Ø 1h 3m.
Das ist CPU-seitig meist straightforward: kurze WUs, schneller Turnover. Das kann Leistungsspitzen begünstigen (mehr Wechsel, mehr „Burst“-Verhalten), aber im Mittel bleibt’s bei mir diese Woche erstaunlich ruhig – vermutlich, weil Einstein den Grundton so stark dominiert hat.
climateprediction.net – nur Kommunikation, keine Arbeit
Bei climateprediction.net: 0 Credits, 0 Runtime, aber 5 RPC failures. Wichtig: fetch failures 0 – also nicht „Download kaputt“, sondern eher Kommunikations-/Serverseite oder Timing.
Für die Systemlast heißt das: faktisch kein Einfluss, aber ich behalte es drin, weil ich sehen will, ob sich das wieder fängt. Nur: diese Woche war’s eher „Projekt ist da, aber tut nix“.
Auffälligkeiten (die Momente, wo ich kurz genauer hinschaue)
Diese Woche hatte ein paar klare Peaks – und die sind spannend, weil sie zeigen, wann das System nicht mehr nur „Durchschnitt“ ist.
94°C – thermisch hart am Limit
Die Max-Temp lag bei 94°C am Freitag, 6. Februar 2026, 13:00 Uhr.
94°C ist für mich nicht „oh nein, alles brennt“, aber es ist definitiv der Punkt, wo ich innerlich automatisch umschalte: Warum jetzt? Das ist nicht mehr „normal warm“, das ist thermisch hart am Limit.
Dass BOINC danach tatsächlich mehrfach gedrosselt hat, ist hier absolut sinnvoll. Drosselung ist keine Niederlage – das ist die Maschine, die sagt: „Ich kann das, aber nicht ohne Grenzen.“
Drosselungs-Timeline – nachvollziehbar und kontrolliert
Insgesamt gab’s 9 Temp-/Throttle-Events: 4× throttle down, 5× speed up. Gründe: HIGH=4, HOT=1, RECOVER=4.
Der Ablauf fühlt sich ziemlich logisch an:
- Donnerstag, 6. Februar 2026, 16:20 Uhr: NORMAL → WARM, CPU-Limit 90 % bei 86°C (HIGH)
- Danach wieder RECOVER auf 100 % bei niedrigeren Temperaturen (78°C, 73°C, 77°C)
- Sonntag, 8. Februar 2026, 3:30 Uhr: NORMAL → HOT, CPU-Limit 75 % bei 91°C (HOT)
- und dann schrittweise hoch: 90 % bei 89°C, später 100 % bei 62°C
Das ist genau die Art Regelkreis, die ich mag: nicht „hart aus“, sondern abgestuft. Und vor allem: Recovery bei 62°C zeigt, dass das System nicht dauerhaft in einem kritischen Fenster festhing.
Watt-Spike: 78 W
Der Peak bei 78 W war am Sonntag, 8. Februar 2026, 4:00 Uhr. Das sind +38,7 W über dem Durchschnitt – also kein kleines Zucken, sondern ein echter Spike.
Technisch passt das ziemlich gut zu einem Moment, wo Lastmix und Boost-Verhalten kurz zusammenkommen: andere Workunit-Eigenschaften (z. B. mehr AVX-lastige Phasen oder ungünstiger Mix aus langen Einstein-Tasks plus rotierenden Kurz-WUs) können so eine Leistungszacke triggern. Nicht zwingend „Problem“, aber es erklärt, warum kurz danach auch der HOT-Status erreicht wurde.
RAM-Peak: 39,01 GB
Max RAM lag bei 39,01 GB (62,32 %). Das ist nicht kritisch (Swap bleibt ja bei 0 MB), aber es ist ein schöner Indikator für „gerade laufen mehrere dicke Tasks gleichzeitig“.
Wenn ich mir die aktiven Einstein-Tasks anschaue: Working Sets um ~2,8 GB pro Task – da kommt man bei mehreren parallelen Jobs plus OS-Cache und BOINC-Overhead schnell in diesen Bereich. Wichtig ist: nicht knapp, aber sichtbar. Und sichtbar heißt: messbarer Einfluss auf Wärme/Watt ist plausibel.
Fazit
Unterm Strich war das eine Woche, die sich stabil anfühlt: Dauerlast, hoher Durchsatz, 0 Fehljobs, und genug Telemetrie, um die Peaks einzuordnen.
Die zwei Dinge, die bei mir hängen bleiben:
- Thermik: 94°C und HOT-Events sind okay als „Moment“, aber ich will das nicht als Normalzustand akzeptieren. Die Drosselung hat sauber gearbeitet – und genau deshalb sehe ich sie nicht als Bremse, sondern als Hinweis: Der Mix/Boost kann in bestimmten Phasen zu aggressiv werden.
- Einstein prägt alles: RAM-Footprint pro Task im ~2,8-GB-Bereich plus lange WUs = Grundwärme, Grundlast, Grundstabilität. Spacious/Asteroids rotieren drüber, ohne das System zu stressen.
Und ja: so ein ruhiger, sauberer Wochenverlauf ist fast ein bisschen „zu ordentlich“… aber genau das ist eigentlich das Ziel. Stabilität schlägt Rekordwerte. Ich sitz lieber vor einer flachen Fehlerkurve als vor einem Credit-Feuerwerk, das mir nebenbei die Thermik zerlegt.
Diagramme
Begriffe kurz erklärt
- BOINC: BOINC ist ein Programm, mit dem man Rechenleistung seines Computers für wissenschaftliche Projekte bereitstellen kann, etwa für Physik oder Medizin.
- Telemetrie: Telemetrie bedeutet, Messdaten automatisch von entfernten Geräten an eine Zentrale zu übertragen, z. B. bei Satelliten oder Wetterstationen.
- Uptime: Die Uptime zeigt, wie lange ein Computer oder System ohne Neustart durchgehend läuft.
- Load1: Load1 zeigt die durchschnittliche Systemlast der letzten Minute, also wie stark Prozessoren ausgelastet sind.
- Runqueue-Stau: Ein Runqueue-Stau entsteht, wenn zu viele Prozesse gleichzeitig auf die CPU warten und sich dadurch verzögern.
- Swap: Swap ist ein Bereich auf der Festplatte, den das System nutzt, wenn der Arbeitsspeicher voll ist.
- Scheduler-Mix: Der Scheduler-Mix beschreibt, wie der Kernel verschiedene CPUs mit Aufgaben versorgt, um die Auslastung zu optimieren.
- Working Set: Das Working Set umfasst die Daten und Programme, die ein Prozess aktuell im Speicher benötigt, um flüssig zu laufen.
- CPU-bound: Ein CPU-bound-Prozess ist hauptsächlich durch die Rechenleistung des Prozessors begrenzt, nicht durch Speicher oder Festplatte.
- Throttle-Events: Throttle-Events treten auf, wenn das System absichtlich drosselt, z. B. um Überhitzung oder zu hohen Stromverbrauch zu vermeiden.
- AVX: AVX ist eine Prozessorerweiterung, die mathematische Berechnungen beschleunigt, etwa bei Videoverarbeitung oder Simulationen.


