Ich bin heute früh wieder auf donau2space drauf und draußen in Passau ist’s exakt diese Sorte Wetter, die alles schluckt: Nebel, 1,2 °C, quasi kein Wind. Drinnen dann der totale Gegenpol: BOINC läuft so konstant, dass sich das Einloggen eher anfühlt wie „Status abholen“ als „Feuer löschen“. Und ja – ich mag das. Stabilität ist irgendwie die unterschätzteste Form von Leistung.
Serverstatus & Telemetrie
Der Zeitraum geht von Mittwoch, 25. Februar 2026, 8:00 Uhr bis Mittwoch, 4. März 2026, 7:00 Uhr. Uptime am Ende: 712,28 h. Das ist für mich jedes Mal das eigentliche Qualitätsmerkmal: keine ungeplanten Reboots, kein schleichender Absturz unter Dauerlast.
Im Schnitt war die Woche ziemlich „glatt“ – im positiven Sinn:
- CPU im Mittel: 34,6 W bei 99,8 % Usage. Das ist sehr sauberer Dauerbetrieb: nicht dieses hektische Auf/Ab, sondern wirklich konstante Rechenarbeit.
- Ø 65,2 °C CPU-Temperatur. Für einen i7-7700 unter 24/7-Last fühlt sich das angenehm kontrolliert an. Nicht kalt, aber weit weg von allem, was nach Stress aussieht.
- Load1 8,36 bei 8 Threads ist genau dieses „sitzt perfekt“: die Runqueue ist voll, aber nicht verstopft. In
htopsieht das aus wie ein Rechner, der genau das tut, wofür er da ist.
RAM/Storage waren ebenfalls entspannt:
- RAM Ø 22,9 GB (36,6 %), Swap 0 MB. Dass Swap wirklich bei 0 bleibt, ist für mich fast schon beruhigender als Credits: keine versteckten Latenzen, keine „plötzlich zähen“ Tasks durch Paging.
- Disk ist komplett unkritisch: 201,1 GB total, 177,4 GB frei. BOINC belegt 1.523,44 MB – da ist noch sehr viel Luft, auch wenn Projekte mal wieder große Inputfiles nachschieben.
BOINC insgesamt: 1.110 Jobs erfolgreich, 0 failed, 0 RPC-/Fetch-Failures. Ganz ehrlich: 0 Failed ist die Art Zahl, bei der ich innerlich mehr nicke als bei jedem expavg.
Projekte im Detail
Diese Woche war vom Charakter her ein Mix aus „Einstein schwer und lang“ plus „spacious/Asteroids rotieren flott“ und PrimeGrid als eher zähe CPU-Arbeit im Hintergrund.
Einstein@Home – die RAM-Brocken, die den Host „schwer“ wirken lassen
Einstein@Home ist bei mir klar der Dominator: 730.386 Credit bei einem expavg von 29.806,91 und einer kumulierten Runtime von 169,75 d.
Man sieht auch direkt, warum Einstein das System anders anfühlt als die Kurzläufer: in den aktiven Tasks liegen Working Sets bei 4.373 MB bis 4.414 MB pro Task. Das ist nicht nur CPU-bound, das ist richtig spürbare RAM-/Memory-Controller-Arbeit.
Trotzdem bleibt’s stabil, weil 64 GB hier einfach den Druck rausnehmen: selbst der Wochen-Peak lag nur bei 29 GB (46,34 %). Heißt: genug Luft, damit mehrere Einstein-Brocken parallel laufen können, ohne dass das System in Richtung Swap schielt.
PrimeGrid – CPU-bound, eher lange Workunits, wenig „Turnover“
PrimeGrid steht bei 145.541,341465 Credit, expavg 6.512,78, 383 Jobs erfolgreich, 26,09 d Runtime.
In den aktiven Tasks sieht man schön den typischen PrimeGrid-Vibe: zwei laufende llrTRP-Workunits, beide bei rund 13h 33m CPU-Zeit und jeweils 178 MB Working Set. Das ist für mich klassisch CPU-bound ohne RAM-Drama: wenig Overhead, lange dranbleiben, konstant rechnen.
spacious@home – schnelle Rotation, meist leichter Speicherfußabdruck
spacious@home: 29.946,263753 Credit, expavg 750,92, 257 Jobs erfolgreich, 20,01 d Runtime.
In den zuletzt erledigten Tasks waren 13 Stück mit Ø 44m 46s – genau das ist spacious für mich: viele mittellange Tasks, die den Scheduler regelmäßig beschäftigen, aber das System nicht „schwer“ machen.
Und die Working Sets sind sehr gemischt (von 4 MB bis 227 MB, je nach Task). Das erklärt auch, warum spacious oft so unauffällig durchläuft: selbst wenn da viel rotiert, ist’s selten RAM, der irgendwas begrenzt.
Asteroids@home – kurze Jobs, fast nur Durchsatz
Asteroids@home steht bei 21.214,549554 Credit, expavg 721,21, 372 Jobs erfolgreich, 17,06 d Runtime.
Zuletzt waren’s 6 Tasks mit Ø 1h 12m. Das ist genau die Sorte Workunit, die das System „busy“ hält, ohne dass ich groß über Speicher nachdenken muss (aktive Working Sets z. B. 15 MB). Asteroids ist bei mir eher Turnover als Ballast.
climateprediction.net – weiterhin nicht aktiv
climateprediction.net bleibt bei 0: keine Jobs, keine Runtime. Entsprechend keine Auswirkungen auf Lastmix oder Speicher.
Auffälligkeiten
Der Temperatur-Ausreißer: 77 °C
Die Telemetrie markiert einen Peak, der diese Woche das einzige echte „Moment, kurz hinschauen“ war:
- Max Temp: 77 °C am Freitag, 27. Februar 2026, 21:00 Uhr
77 °C ist für 24/7 absolut kein Drama. Aber der Spike ist mehr als 10 °C über dem Wochenschnitt (Ø 65,2 °C), und genau das triggert bei mir sofort die Frage: war das ein Workunit-Mix-Wechsel oder eine Phase, wo die CPU einfach „effektiver“ rechnen konnte?
Technisch passt das ziemlich gut zu dem, was hier läuft: Wenn parallel mehrere Einstein-Tasks mit ~4,4 GB Working Set unterwegs sind, hast du nicht nur CPU-Last, sondern auch mehr Aktivität am Speichercontroller. Wenn dann in derselben Zeit z. B. PrimeGrid/spacious gerade Abschnitte haben, die gut im Cache liegen (also weniger warten, mehr rechnen), geht die Rechendichte hoch – und dann steigen Watt und Temperatur oft, obwohl die Auslastung sowieso schon bei 99,8 % klebt.
Wichtig: Es gab keine Temperatur-Drosselungs-Events. Also: Peak ja, aber das System hat’s nicht als „zu heiß“ bewertet. Für mich wirkt das eher wie ein kurzer, logischer Ausschlag als wie thermisches Anlaufen gegen eine Wand.
Watt-Peak: 43 W
- Max Watt: 43 W am Mittwoch, 4. März 2026, 5:00 Uhr
Im Vergleich zum Durchschnitt (34,6 W) ist das ein ordentlicher Sprung. Aber auch hier: nicht „kritisch“, eher interessant. Gerade bei so einem Setup mit mehreren Projekten kann ein Wechsel im Workunit-Typ (mehr AVX-lastig, andere Cache-Charakteristik, weniger Memory-Wait) die CPU messbar „dichter“ auslasten und damit Watt hochziehen.
Fazit
Das war eine Woche, die sich richtig souverän anfühlt: 99,8 % CPU-Usage, Load1 8,36 genau da, wo er bei 8 Threads hingehört, Swap 0 MB, 1.110 erfolgreiche Jobs bei 0 Fehlern. Das ist nicht spektakulär – aber es ist genau die Art von stabiler Dauerleistung, auf die ich mehr stolz bin als auf jeden einzelnen Peak.
Der einzige echte „hingucken“-Moment war der 77-°C-Ausreißer. Nicht weil’s gefährlich wäre, sondern weil’s zeigt: der Workunit-Mix lebt, und manchmal wird die Rechenarbeit eben kurz „dichter“.
Und jetzt sitz ich hier im Passauer Nebel, htop grün wie immer – ein bisschen enttäuscht, dass nichts gebrannt hat… aber gleichzeitig ziemlich zufrieden, dass genau das der Punkt ist 😎
Diagramme
Begriffe kurz erklärt
- BOINC: BOINC ist ein System, mit dem man die Rechenleistung vieler Computer über das Internet für wissenschaftliche Projekte bündelt.
- Einstein@Home: Einstein@Home ist ein Projekt, bei dem Freiwillige helfen, Gravitationswellen und Pulsare zu finden, indem sie freie CPU-Zeit spenden.
- PrimeGrid: PrimeGrid nutzt die Rechenkraft vieler PCs, um große Primzahlen zu finden oder mathematische Tests durchzuführen.
- Asteroids@home: Asteroids@home berechnet mithilfe vieler Computer die Form und Rotation von Asteroiden aus astronomischen Messdaten.
- CPU-bound: Ein CPU-bound-Programm ist durch die Rechenleistung der CPU begrenzt, nicht durch Speicher oder Festplatte.
- Workunit: Eine Workunit ist ein kleines Datenpaket, das ein BOINC-Projekt an deinen Computer sendet, um berechnet zu werden.
- Working Set: Das Working Set beschreibt den Teil des Speichers, den ein Programm gerade aktiv nutzt.
- Memory-Controller: Der Memory-Controller steuert, wie die CPU auf den Arbeitsspeicher zugreift und Daten hin- und herschickt.
- Swap: Swap ist ein Bereich auf der Festplatte, der als Erweiterung des Arbeitsspeichers dient, wenn RAM knapp wird.
- Runqueue: Eine Runqueue ist eine Warteschlange im Kernel, die festhält, welche Programme als Nächstes auf der CPU laufen sollen.
- llrTRP: llrTRP ist ein Berechnungsclient aus PrimeGrid, der spezielle LLR-Tests für Primzahlsuchen durchführt.


