Passau ist grau und leise: 1.5°C, kaum Wind. Ich logge mich per SSH auf donau2space ein, htop auf, alle 8 Threads stehen unter Volllast. Der Server rechnet stoisch weiter, genau so gewollt – aber unter Beobachtung.
Dies ist der erste Artikel über den neuen BOINC-Server. Der Server läuft erst seit wenigen Tagen, daher beziehen sich die Daten auf eine noch kurze Laufzeit. Zukünftig erscheint der BOINC-Bericht jeden Mittwochmorgen als regelmäßiges Wochenupdate.
Serverstatus & Telemetrie
- Durchschnittliche Leistung: 42.7 W. Für dauerhafte 99.9% CPU-Auslastung effizient; gutes Grundrauschen ohne Ausreißer im Mittel.
- Temperaturen: Ø 72.0°C. Das ist im grünen Bereich für 24/7-Last bei dem i7-7700.
- CPU-Last: usage 99.9%, load1 8.38. Exakt voll ausgelastet, praktisch 1.0 pro Thread.
- RAM: Ø 31.5 GB (50.4%), Swap 0 MB. Genug Luft; kein Swapping ist wichtig für konstante Laufzeiten.
- Disk: Root 10.7 GB (5.3%) belegt, BOINC 823.6 MB. Viel Headroom; I/O ist hier kein limitierender Faktor.
- Uptime: 98.28 h. Stabiler Start, keine Abstürze.
Momente:
- Max Temp: 94°C (2026-02-06 13:00:26). Thermisch hart am Limit – so will ich nicht dauerhaft fahren.
- Max Leistung: 64 W (2026-02-06 09:00:26). Deutlich über dem Mittel; ein klarer Spike.
- Max RAM: 39.01 GB (62.32%). Konsistent mit speicherhungrigen Einstein-Tasks.
BOINC-Projekte im Detail
Gesamt: 48 400 Credits (expavg 4 290.41), 32 erfolgreiche Jobs, 0 fehlgeschlagen, Runtime kumuliert 692.16 h (28.84 d).
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Einstein@Home
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Credits: 45 000 | expavg 3 959.74
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Laufzeit: 25.6 d
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Typische Taskdauer: 38–42 h (z. B. 38h17m bis 42h05m). Lange, gleichmäßige CPU-Last, gute Cache-Ausnutzung.
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RAM-Footprint: ~4.85–4.87 GB Working Set pro Task (z. B. 4865 MB). Vier gleichzeitige Tasks belegen ~19 GB – erklärt den RAM-Mittelwert.
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Disk: 809.02 MB. Größere Datensätze, aber unkritisch.
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Einordnung: CPU-bound, speicherintensiv, langfristig konstant. Eignet sich gut, um die Kerne voll auszulasten, treibt aber die Temperaturen.
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spacious@home
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Credits: 3 400 | expavg 330.67
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Laufzeit: 3.24 d
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Typische Taskdauer: ~3h17m–3h23m. Kurze WUs, schnelle Wechsel.
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RAM-Footprint: 2–24 MB Working Set pro Task. Sehr leichtgewichtig.
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Disk: 14.58 MB. Minimal.
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Einordnung: Kaum Memory-Druck, häufige Taskwechsel. Diese Wechsel können kleine thermische und Leistungs-Spikes erzeugen, vor allem wenn parallel Einstein läuft.
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climateprediction.net
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Credits: 0 | expavg 0
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Laufzeit: 0 d
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RPC: 4 Failures | fetch failures: 0
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Einordnung: Noch keine WUs. Die RPC-Fehler deuten auf temporäre Server-/Netz-Side-Probleme hin. Kein Einfluss auf die lokale Last.
Aktive Mischung (zuletzt gesehen 2026-02-06T17:00:23Z):
- 4× Einstein-Tasks EXECUTING bei ~65–70% Fortschritt (CPU 38h35m–41h13m, je ~4.85–4.87 GB WS).
- 4× spacious@home EXECUTING bei ~42–44% (CPU ~1h50m–1h55m, 2–24 MB WS).
- Bewertung: 8 Threads sauber gefüllt; Einstein bestimmt die Temperatur und den RAM, spacious hält die Pipeline flexibel.
Auffälligkeiten
- Temperaturspitze 94°C um 13:00:26. Das ist oberhalb dessen, was ich als Normalzustand akzeptiere. Hier greife ich ein.
- Leistungs-Spike 64 W um 09:00:26. In Kombination mit Projektwechseln/Vollauslastung plausibel – die Serie an spacious-Abgaben zwischen 10:39–14:03 zeigt erhöhte Wechselaktivität.
- Drosselungs-Event 2026-02-06T16:20:34Z: NORMAL → WARM, CPU-Limit 90% bei 86.0°C (Reason=HIGH). Sinnvoller Eingriff; Temperaturen stabilisieren sich. Drosselung ist hier Steuerung, kein Versagen.
- climateprediction.net: 4 RPC-Failures, keine Jobs. Beobachten, aber nicht priorisieren, bis stabile Zuteilung kommt.
Persönliches Fazit
Guter Start für donau2space: konstante 99.9% CPU-Last, 48 400 Credits in wenigen Tagen, keine Fehljobs. Durchschnittlich 42.7 W bei Ø 72°C ist solide. Die 94°C-Spitze ist die rote Linie – hier setze ich künftig engeres Temperatur- und Lastmanagement an. Konkret: leichte Reduktion der Spitzenlast unter Dauer-Vollauslast, bevorzugt über sanftes CPU-Limit/Powercap und etwas geringere Gleichläufigkeit bei Einstein während thermisch ungünstiger Phasen. spacious@home bleibt als leichter Füller im Mix.
climateprediction.net bleibt eingebunden, aber ohne Wartezeiten auf WUs. Nächster Schritt: Feintuning der Limits, damit >90°C nicht mehr auftreten, bei möglichst wenig Einbuße bei Credits.
Ab nächster Woche kommt das Update immer am Mittwochmorgen. Bis dahin lasse ich die aktuelle Mischung laufen und beobachte die Wirkung der WARM-Drosselung auf die Temperaturspitzen.
Diagramme
Begriffe kurz erklärt
- SSH: SSH ist ein sicheres Protokoll, um über das Netz auf entfernte Rechner zuzugreifen, etwa für Fernsteuerung oder Dateiübertragung.
- Thread: Ein Thread ist ein leichter Teilprozess innerhalb eines Programms, der gleichzeitig mit anderen Threads Aufgaben abarbeitet.
- CPU-Auslastung: Die CPU-Auslastung zeigt an, wie stark der Prozessor gerade beschäftigt ist, also wie viel Rechenleistung verwendet wird.
- Swap: Swap ist ein Bereich auf der Festplatte, der als Erweiterung des Arbeitsspeichers dient, wenn der RAM voll ist.
- Swapping: Swapping bedeutet, dass Daten zwischen RAM und Swap-Bereich hin- und hergeschoben werden, um Platz im Arbeitsspeicher zu schaffen.
- I/O: I/O steht für Eingabe und Ausgabe und beschreibt, wie Computer Daten mit Geräten wie Festplatten oder Netzwerken austauschen.
- BOINC: BOINC ist eine Software, mit der man Rechenleistung seines PCs für wissenschaftliche Projekte spenden kann.
- Einstein@Home: Einstein@Home ist ein BOINC-Projekt, das freie Rechenleistung nutzt, um nach Gravitationswellen und Pulsaren zu suchen.
- Working Set: Das Working Set ist die Menge an Daten und Code, die ein Programm aktuell im Arbeitsspeicher benötigt.
- RPC-Failure: Ein RPC-Failure passiert, wenn ein Programmaufruf über das Netzwerk fehlschlägt, etwa wegen Verbindungsproblemen.
- Powercap: Powercap ist eine Technik, die den maximalen Energieverbrauch eines Prozessors oder Systems begrenzt, um Strom zu sparen.
- CPU-Limit: Ein CPU-Limit legt fest, wie viel Rechenzeit ein Prozess höchstens bekommen darf, um andere Aufgaben nicht zu blockieren.
- Drosselungs-Event: Ein Drosselungs-Event tritt auf, wenn der Prozessor seine Leistung senkt, etwa wegen Hitze oder Stromspargrenzen.
- CPU-bound: CPU-bound bedeutet, dass die Geschwindigkeit eines Programms hauptsächlich durch die Rechenleistung der CPU begrenzt ist.



