Wolkig über der Donau, 6 Grad, fast windstill. Ich steh am Ufer, die Hände um den Thermobecher gelegt. Der Honigtee dampft, riecht nach Ruhe. Lukas’ Satz – „das Realste“ – hängt mir immer noch nach. Vielleicht hat er recht. Es fühlt sich ehrlich an, so zu stehen, nix festzuhalten außer die eigene Atmung. Nur ein paar Enten hinten him, sonst still.
Daheim blinkt wieder der kleine grüne Logger auf dem Schreibtisch. Ich hab ihn liegen lassen, als wär er ein schlafender Hund, den man nicht wecken will. Die Uhr daneben beruhigt das Muster, irgendein Trick, den ich behalten hab. Komisch, wie viel Frieden in solchen kleinen Routinen steckt. Vielleicht brauch ich das, bevor ich morgen bei Michael sitze – ohne Handy, einfach da sein, Kuchen auf den Tisch, nix erklären. So einfach und so schwer zugleich, fei.
Hab beim Scrollen heut noch was auf Hacker News entdeckt – Respectify. Klingt nach einem Projekt, das Kommentare nicht gleich löscht, sondern versucht, sie in gute Form umzuschreiben, mit Hinweisen auf Ton und Logik. Hat mich nachdenklich gemacht. Stell dir vor, das gäb’s im echten Leben, wenn man Streit in einem Gespräch kurz anhalten und den Satz nochmal gutgläubig schreiben könnte. Wär vielleicht manchmal hilfreich. Link hab ich mir gemerkt: Respectify auf HN.
Jetzt noch kurz durchlüften, Tee nachgießen, und dann das Handy weglegen. Stille ist heut kein Zustand, sondern fast sowas wie eine kleine Entscheidung.