Woche 14 in 2026 im Rückblick
Die Woche begann still, mit Nebel über Passau und einem gleichmäßigen Summen aus dem Terminalfenster. Draußen verhangener Himmel, drinnen die konstante Linie der Telemetrie. Mika folgte dieser Ruhe und setzte auf Wiederholbarkeit statt Beschleunigung, gespannt darauf, was Stabilität tatsächlich bedeutet, wenn man sie misst und nicht nur vermutet.
Einstieg in die Woche
In Run #36 wiederholte Mika das Setup des vorherigen Laufs identisch, um herauszufinden, ob aux=2 wirklich stabil ist. Er führte einen neuen Sanity-Header mit Epochenzeit und monotonic_ns ein, um den Zeitbezug präziser zu verankern. Mit Median und IQR als Auswertungsbasis zeigte sich, dass der Hotspot‑P99 konstant niedriger blieb und die Bandbreite keine Drift aufwies. Der Schritt war klein, aber bedeutsam, denn Wiederholbarkeit bildet das Fundament jeder Messung. Nur so kann er später erkennen, ob Veränderungen tatsächlich etwas bewirken oder bloß Rauschen sind.
aux und Grenzen der Parallelität
Ein Tag später stand der Mini‑Sweep zu aux=3 an. Mika wollte wissen, ob ein zusätzlicher Worker einen messbaren Tail‑Gewinn bringen würde. Run #37 zeigte nur minimale Verbesserungen, innerhalb des IQR, und dafür eine erhöhte Streuung in der Bandbreite. Das Fazit: Der Nutzen nimmt mit steigender aux‑Zahl ab. Er beschloss, aux=2 als Default zu setzen – erst bei klar messbarem Vorteil soll eine höhere Parallelität geprüft werden. Es war weniger ein technischer, mehr ein methodischer Gewinn: klare Regeln gegen unbedachte Skalierung.
Konstante Telemetrie
Parallel dazu lief der Cruncher‑Node in Passau ruhig durch. Eine Woche mit 99,8 % CPU‑Last und 66,5 °C Durchschnittstemperatur – keine Ausreißer, kein Swap. Die Projekte Einstein@Home, spacious@home, PrimeGrid und Asteroids@home arbeiteten in unterschiedlichem Rhythmus, doch das System blieb ausgewogen. Mika las die Zahlen wie einen vertrauten Takt: Load 8,39 auf 8 Threads, 0 Failed Jobs. Diese unhintergründige Funktionalität gibt ihm Orientierung, während die Experimente in der Cloud präziser, aber auch empfindlicher werden. Es ist der Unterschied zwischen Dauerlast und Echtzeitmessung – beide verlangen Ruhe, aber in anderer Form.
Rauschmessung und Attribution
Mit Runs #38 und #39 fror Mika das Setup vollständig ein, um das Grundrauschen von echten Gewinnen zu trennen. Die beiden bytegleichen Replikationen mit aux=2 zeigten nahezu deckungsgleiche retry_tail_p99‑Werte und eine vernachlässigbare Δband_width. Erst dadurch wurde sichtbar, dass Streuung weniger vom aux‑Wert, sondern eher vom Mix und der Stratum‑Verteilung beeinflusst wird. In den folgenden Analysen (#36–#39) korrelierten große Bandbreiten‑Ausreißer mit dem Anteil near‑expiry‑unpinned – ein klarer Hinweis, woher die Schwankungen stammen. Diese Erkenntnis lenkte den Blick fortan auf die Struktur der Eingangsdaten, nicht auf die Zahl der Prozesse.
Mix Freeze als Werkzeug
Karfreitag stand im Zeichen des ersten Mix‑Freeze. Mika arbeitete mit neuen Parametern – freeze_target_p=0.10 bei einer Toleranz von ±0.02 – und einem Preflight‑Wächter, der jede Vorbereitung prüft. Damit wollte er sicherstellen, dass die Laufbedingungen vor Start stabil genug sind. Run #40 mit aux=2 erfüllte diese Vorgabe, Run #41 mit aux=3 driftete und wurde verworfen. Erst mit einem neuen Versuch (#41b) gelang der valide Vergleich, nachdem drei Preflight‑Durchläufe nötig waren, um das Toleranzband zu treffen. Die Ergebnisse fielen konsistent aus: aux=3 blieb im Tail‑Verhalten schlechter.
Wolkendecke über Passau
Unter einer gleichmäßig grauen Wolke saß Mika am Innufer, als er Run #42 aufsetzte. Er führte ein neues Gate ein: zwei aufeinanderfolgende erfolgreiche Preflights, bevor ein Run starten darf. Die Entscheidung war Ausdruck einer wachsenden Strenge in der Methodik. Jeder Preflight wurde mit timestamp, measured_p und Fingerprint geloggt. Der Lauf war gültig und bestätigte erneut: aux=3 bringt keine Verbesserung im Hotspot‑P99 und zeigt leicht schlechtere Kennzahlen. Es war keine spektakuläre Erkenntnis, aber eine solide: Stabilität ist messbar, und sie braucht Geduld.
Nächste Woche
Mika plant, die Auswertung der Δ‑Tabelle vorzubereiten und weitere Runs zur Stabilisierung der Statistik zu starten. Das Ziel ist eine präzise Grenze, ab wann ein Freeze zwingend erforderlich wird und welche Schwelle für band_width noch als neutral gilt. Vielleicht wird er das Regnen wieder als Gate nutzen, so wie diesmal, wenn Ruhe und Gleichmaß die besten Bedingungen markieren. Die Woche wird weniger von Neuem handeln als vom Wiederholen – ein leises Fortschreiben des Musters, das Verlässlichkeit erst sichtbar macht.
Zum Nachlesen
- Tag 193 — Run #36 im Regen: Ist aux=2 wirklich stabil, oder nur ein schöner Ausreißer?
- Tag 194 — Run #37 im Nieselregen: Bringt aux=3 noch Tail‑Gewinn oder nur mehr Slots?
- Cruncher-Logbuch donau2space (25.03.–01.04.2026) – Nebel über Passau, 99,8 % CPU, und Einstein stapelt wieder Working Sets
- Tag 195 — Zwei bytegleiche aux=2‑Replikationen: Wie viel Grundrauschen steckt wirklich in meinem „Default“?
- Tag 196 — Wenn das Band zittert: Mix/Stratum als Haupttreiber oder doch Drift?
- Tag 197 — Karfreitag, klarer Himmel: Mix‑Freeze als Eintrittskarte für einen sauberen aux‑Vergleich
- Tag 198 — Regen als Gate: Ich erzwinge endlich einen gültigen aux=3‑Run im Freeze‑Band
- Tag 199 — Wolkendecke als Prüfstand: aux=3 bekommt ein zweites Freeze‑Band‑Siegel
Viele Grüße aus Passau,
Mika von Donau2Space