Ich bin heute früh (noch vor acht) auf donau2space drauf, draußen in Passau: Nebel, 5,3 °C, alles so grau und gedämpft, dass man automatisch leiser tippt. Drinnen dann der komplette Kontrast: htop ist wieder dieses satte, grüne „alles voll“. Und ich merk jedes Mal: Ich schau nicht auf die Prozentzahl, ich schau auf das Gefühl, ob’s rund läuft.
Serverstatus & Telemetrie
Der Zeitraum geht von Dienstag, 18. Februar 2026, 9:00 Uhr bis Mittwoch, 25. Februar 2026, 7:00 Uhr. Uptime am Ende: 544,28 h. Das ist für mich der eigentliche Wochen-Score: keine Neustarts, kein „irgendwas hat sich weggeschossen“.
Im Schnitt war das eine Woche mit sehr konstantem Crunch:
- CPU im Mittel: 36,3 W bei 99,8 % Usage. Das ist quasi Dauerlauf ohne Zappeln – nicht dieses nervöse Boost-Gehüpfe, sondern stabiler Durchsatz.
- Ø 67,1 °C CPU-Temperatur. Für 24/7-Last auf dem i7-7700 fühlt sich das solide an. Nicht kalt, aber weit weg von „ich muss sofort was anfassen“.
- Load1 8,34 bei 8 Threads ist genau dieses „passt“: die Runqueue ist voll, aber nicht überfüllt. In
htopsieht das aus wie ein System, das konstant arbeitet, ohne innerlich zu stauen.
Speicher/Storage waren genauso unauffällig gut:
- RAM Ø 18,1 GB (28,9 %), Swap 0 MB. Swap-Null macht mich jedes Mal entspannt, weil es heißt: keine versteckten Latenzen, keine Workunits, die plötzlich zäh werden, weil Pages wandern.
- Disk ist komplett entspannt: 201,1 GB total, 178,4 GB frei. BOINC belegt 1.079,65 MB – also nicht mal eine echte Diskussion.
BOINC-seitig: 826 Jobs erfolgreich, 0 failed. Und ja – ich bleib dabei: 0 Failed Jobs ist mehr „Cruncher-Glück“ als jeder Credit-Sprint. Das bedeutet, dass der Host unter echter Dauerlast nicht schleicht, nicht kippt und nicht still Fehler sammelt.
Projekte im Detail
Diese Woche fühlt sich vom Charakter her an wie: Einstein als schwerer Grundton, dazu PrimeGrid als „lange CPU-Arbeit am Stück“, und spacious/Asteroids als schnellere Rotation, die den Scheduler beschäftigt.
Einstein@Home – RAM-lastige Langläufer, die den Host „schwer“ machen
Einstein@Home dominiert bei mir klar: 460.386 Credit, expavg 23.670,98, und vor allem 128,54 d Runtime. Das ist nicht „läuft mit“, das ist die Basis.
Man sieht den Charakter gerade auch an den aktiven Tasks: Working Sets von 1.521 MB bis hoch zu 4.831 MB pro Task. Das ist wichtig, weil Einstein dadurch nicht nur CPU-bound ist, sondern richtig spürbar RAM-/Memory-Controller-Arbeit mit reinbringt. Wenn mehrere von den dicken Brocken parallel laufen, ist das weniger „heiß“, sondern eher „massiv“ – wie ein Motor, der konstant Zug hat.
Und trotzdem: RAM ist mit 27,81 GB Peak (44,43 %) nie knapp gewesen. Das ist der Punkt, an dem sich 64 GB einfach erwachsen anfühlen: Einstein darf groß sein, ohne dass das System anfängt zu tauschen.
PrimeGrid – CPU-bound, aber mit richtig langen Workunits
PrimeGrid steht bei 106.400,166113 Credit, expavg 6.698,56, 345 Jobs erfolgreich, 19,7 d Runtime.
Was diese Woche auffällt: In den „zuletzt erledigten Tasks“ ist ein PrimeGrid-Task dabei mit 24h 37m. Das ist genau der PrimeGrid-Charakter, den ich irgendwie liebe: nicht viel Overhead, nicht ständig Taskwechsel – sondern eine Workunit, die sich hinsetzt und einfach rechnet.
Thermisch kann genau das aber auch „dichter“ werden: wenn eine Phase besonders gut auf der CPU läuft (wenig Wartezeiten, guter Cache-Fit), ziehen Watt und Temp oft ein Stück an, ohne dass sich an der 99,x %-Auslastung was ändert.
spacious@home – schnelle Rotation, super leichter RAM-Footprint
spacious@home: 22.890,509694 Credit, expavg 602,88, 127 Jobs erfolgreich, 16,05 d Runtime.
Im Task-Feeling ist spacious bei mir der „saubere Füller“: viele kurze Läufe (zuletzt 18 Tasks mit Ø 44m 15s) und Working Sets, die teilweise lächerlich klein sind (4 MB, 27 MB, dann auch mal 119 MB). Das ist CPU-bound genug, um Kerne zu füttern, aber nicht RAM-lastig genug, um Druck zu machen.
Genau solche Projekte sorgen bei mir oft für kleine Watt-/Temp-Momente, weil die Last sehr konstant bleibt, aber die Rotation und der Workunit-Mix die CPU unterschiedlich „effektiv“ auslasten kann (Stichwort: wie viel echte Rechenzeit vs. Memory-Wait in einem Abschnitt steckt).
Asteroids@home – kurze Jobs, fast kein Speicherstress
Asteroids@home steht bei 15.956,256986 Credit, expavg 764,77, 280 Jobs erfolgreich, 12,63 d Runtime.
Hier ist’s eher Scheduler-/Turnover-lastig: zuletzt war ein Task mit 1h 6m dabei. Speicher ist dabei praktisch kein Thema. Das fühlt sich auf dem Host oft an wie „läuft nebenher“, aber es hält die Pipeline schön beschäftigt.
climateprediction.net – diese Woche nicht im Spiel
climateprediction.net ist bei mir weiterhin 0: kein Credit, kein expavg, keine Runtime. Heißt auch: keine Auswirkungen auf Lastmix oder Speicher.
Auffälligkeiten
Zwei echte „Momente“: Watt/Temp-Spike und ein kurzes Throttle
Die Woche hatte genau so viel Drama, wie ich mag: nicht viel – aber genug, dass man was lernen kann.
Der Peak lag bei:
- Max Temp: 84 °C am Donnerstag, 19. Februar 2026, 18:00 Uhr
- Max Watt: 58 W am Donnerstag, 19. Februar 2026, 17:00 Uhr
84 °C ist für mich kein „oh Gott“, aber ich werde dann automatisch aufmerksam. Das ist so die Zone, wo ich innerlich kurz aufhöre, nur Zahlen zu lesen, und anfange zu fragen: warum genau da?
Und die Antwort ist hier ziemlich schön im Log sichtbar: Es gab tatsächlich ein Throttle-Event.
- Donnerstag, 19. Februar 2026, 15:00 Uhr: NORMAL → WARM, CPU-Limit auf 90 % bei 85,0 °C (reason HIGH)
- Donnerstag, 19. Februar 2026, 18:50 Uhr: WARM → NORMAL, zurück auf 100 % bei 77,0 °C (reason RECOVER)
Das ist genau die Art von Drosselung, die ich „interessant“ finde statt nervig. 90 % ist kein brutaler Cut, eher ein sanftes „okay, Temperatur ist hoch, wir nehmen ein bisschen Druck raus“. Und dass er bei 77 °C wieder sauber hochgeht, fühlt sich nach einem System an, das souverän regelt.
Was ich technisch plausibel dahinter sehe: Der Mix aus RAM-lastigen Einstein-Tasks (Working Sets bis 4.831 MB) plus eine Phase, wo die CPU „effektiv“ besonders gut rechnen konnte, kann Watt kurz hochziehen. Mehr Memory-Controller-Aktivität + hohe Rechen-Dichte = oft genau diese Watt/Temp-Spitzen. Nicht gefährlich – aber ein Hinweis, dass der Workunit-Typ in dem Moment einfach „dicker“ war.
RAM-Peak ohne Swap: genau so soll’s sein
Der höchste RAM-Wert war 27,81 GB (44,43 %). Das ist sichtbar, aber komplett unkritisch. Für mich ist das die perfekte Zone: RAM wird genutzt (auch Cache zählt da rein), aber das System muss nicht anfangen, mit Swap rumzupfuschen.
Highlight: PrimeGrid hat eine AP21 gefunden (Workunit 1.376.624.476)
Der nerdigste Moment der Woche kam nicht über Temperatur, sondern über eine Nachricht von PrimeGrid: Am Samstag, 21. Februar 2026, um 4:27 Uhr (UTC war 3:27) hat donau2space im AP27-Projekt eine Arithmetic Progression of Primes der Länge 21 gefunden – eine AP21. Workunit: 1.376.624.476.
Die gefundene Form ist:
418073395068437351 + 364346407 × 23# × n für n = 0..20
Was heißt „AP21“ verständlich? Eine arithmetische Progression ist eine Zahlenfolge mit konstantem Abstand. Wenn das eine arithmetische Progression von Primzahlen ist, dann sind alle Zahlen in dieser Folge Primzahlen – und zwar 21 Stück hintereinander, immer mit dem gleichen Abstand.
Das ist nicht „wir sammeln Credits“, das ist ein echter mathematischer Fund: Du findest damit ein konkretes, seltenes Muster im Primzahlraum. Und ich steh da ehrlich kurz da und denk mir: irgendwo in einem Rechenzentrum in Deutschland rechnet meine Kiste im Nebelwochenende durch – und am Ende kommt so eine Struktur raus. Das ist genau der Grund, warum ich crunch: nicht wegen einer Zahl auf einem Profil, sondern weil am Ende Wissenschaft passiert.
Fazit
Unterm Strich war das eine Woche, die sich stabil und erwachsen anfühlt: 99,8 % CPU-Auslastung, Load genau da, wo er soll, 0 Failed Jobs, 0 RPC-/Fetch-Failures. Dazu ein kleiner thermischer Ausflug mit sanfter Drossel auf 90 %, der eher gezeigt hat, dass das System sauber reagiert, statt irgendwie zu kämpfen.
Und dann dieser PrimeGrid-AP21-Fund… das ist so ein seltener Moment, wo ich kurz grinsen muss, weil es mich daran erinnert, dass „Dauerlast“ nicht nur Wärme produziert, sondern manchmal eben auch ein echtes Ergebnis, das ohne diese Rechenzeit einfach nicht da wäre.
Wenn’s nächste Woche wieder langweilig stabil läuft, beschwer ich mich nicht. Aber ein kleines bisschen hoffe ich schon, dass htop mir wieder irgendeinen Grund gibt, genauer hinzuschauen 😎
Diagramme
Begriffe kurz erklärt
- BOINC: BOINC ist eine Software, mit der du Rechenleistung deines Computers für wissenschaftliche Projekte wie Physik oder Astronomie bereitstellen kannst.
- Einstein@Home: Einstein@Home nutzt freie Rechenleistung vieler Computer, um Gravitationswellen oder Pulsare im All zu finden.
- PrimeGrid: PrimeGrid ist ein verteiltes Rechenprojekt, das nach besonders großen Primzahlen oder speziellen Primzahlen-Mustern sucht.
- Asteroids@home: Asteroids@home berechnet die Form und Rotation von Asteroiden anhand astronomischer Beobachtungsdaten.
- Workunit: Eine Workunit ist ein kleines Rechenpaket, das an deinen Computer geschickt wird, um einen Teil einer größeren Aufgabe zu bearbeiten.
- Memory-Controller: Ein Memory-Controller steuert den Zugriff des Prozessors auf den Arbeitsspeicher und sorgt für schnellen Datenaustausch.
- Runqueue: Die Runqueue ist eine Warteschlange im Betriebssystem, in der Prozesse liegen, die bald zur Ausführung bereit sind.
- Scheduler: Der Scheduler entscheidet im Betriebssystem, welcher Prozess als Nächstes vom Prozessor ausgeführt wird.
- Throttle-Event: Ein Throttle-Event bedeutet, dass ein Prozessor oder Gerät absichtlich verlangsamt wird, um Überhitzung oder Stromverbrauch zu reduzieren.
- AP21: AP21 bezeichnet die längste bekannte arithmetische Folge von 21 aufeinanderfolgenden Primzahlen mit gleichem Abstand.
- Arithmetic Progression of Primes: Eine Arithmetic Progression of Primes ist eine Reihe von Primzahlen, die jeweils den gleichen Abstand voneinander haben.


