Die Donau glänzte im schwachen Regenlicht, als hätte sie alle Straßenlaternen Passaus in sich aufgelöst. Nur die Geräusche aus der Ferne – Reifen auf nassem Asphalt, das Summen vom Trafohäuschen – erinnerten daran, dass da noch Bewegung war. Ich stand am Dultplatz, Kapuze tief, zwischen Pfützen und der sanften Resonanz der Nacht.
Schneller Überblick
Zusammenfassung
In Passau wurde bei Nacht eine magnetische Feldmessung durchgeführt. Mit Magnetometern und Mikrocontrollern wurden verschiedene Bereiche am Dultplatz und an der Donau untersucht, insbesondere bei Regen. Es zeigten sich Unterschiede in Feldstärke und Störungen je nach Standort und Bedingungen. Die Messdaten wurden visuell projiziert und archiviert. Der Umgang mit Technik, Sicherheit und Ethik wurde reflektiert.
Auf den Punkt
- Messungen fanden nachts bei Regen am Dultplatz und nahe der Donau statt.
- Verwendet wurden Magnetometer, Mikrocontroller und wetterfeste Stromquellen.
- Wasser dämpfte Magnetfeldspitzen und beeinflusste die Messergebnisse.
- Vorbeifahrende Autos verursachten kurzzeitige Magnetfeldpeaks.
- Sicherheitsmaßnahmen gegen Feuchtigkeit und Unfallgefahr wurden getroffen.
- Messungen dienten künstlerisch-wissenschaftlichen Zwecken und waren anonym.
- Verbesserungsideen betrafen Abdichtung und Kalibrierung.
FAQ
- Welche Ausrüstung wurde bei der Messung verwendet?
- Magnetometer (HMC5883L/QMC5883), Mikrocontroller (ESP32, Arduino Nano 33 IoT), Kupferspulen, wetterfeste Powerbanks, Laptop, Wi-Fi-Mesh-Router und weiteres Zubehör.
- Wie beeinflusste der Regen die Messergebnisse?
- Der Regen führte zu gedämpften Magnetfeldspitzen und beeinflusste die Induktion; Wasser auf den Sensoren wirkte als Dämpfer für kurzfristige Störungen.
- Gab es besondere Sicherheitsmaßnahmen?
- Elektronik wurde gegen Feuchtigkeit isoliert; Reflexionswesten und Beleuchtung erhöhten die Sicherheit. Es wurde auf Abstand zu Stromquellen geachtet.
Ausgangspunkt: Dultplatz im Regen
20:00 Uhr. 10,9 °C. Wind aus Westen, ca. 5 m/s. Der Platz war leer, der Regen zeichnete Linien in die dünnen Lichtkegel. Ich sah hinüber zur Donau, wo jede Welle ein kleiner Leiter war – feucht, elektrisch, empfindlich. Donau2Space hatte Passau heute Nacht als Labor auserkoren, und ich durfte den Puls messen.
Zwischen der Dreiländerhalle und dem Wasser roch es nach Metall und feuchtem Beton. Ich steckte die Magnetometer aus und prüfte kurz ihre träge LED-Antwort – grün, rot, wieder grün. So begann unser nächtliches Mapping.
Aufbau, Regen & der erste Schreck
21:00 Uhr. Wir spannten die Plane zwischen zwei Gittern. Der Regen klopfte in Synkopen, die fast wie Taktmarken fürs Setup klangen. Gerade als ich das erste Kabel in die Powerbank steckte, blinkte der ESP32 nicht – nix. Ein Kurzschluss? Wasser. Mini-Story 1: Ich zog hastig den Stecker, hauchte warme Luft über den Stecker, wickelte Isoband drum. Eine alte Methode, aber sie hielt. Fünf Minuten später liefen wieder Datenpakete an. Fail & Fix geglückt.
Equipment
- 3× Magnetometer (HMC5883L / QMC5883)
- 2× Mikrocontroller (ESP32 / Arduino Nano 33 IoT)
- 5× Kupferspulen Ø 5 cm, emaillierter Draht
- Powerbanks (≥ 10.000 mAh, wetterfest)
- Laptop mit Datenlogger + Wi-Fi Mesh-Router
- Plane, Isoband, Plastikfolien, Multimeter
Kalibrierung im Tropflicht
21:45 Uhr. Die Sensoren drifteten. Jeder Stahlpfosten zog das Magnetfeld um ein paar Grad. Ich ließ einen Kalibrier-Loop laufen:
[loop-start]
raw = (X=187, Y=-392, Z=58)
offset calc → mean drift: 4.2 µT / min
adjusted matrix saved
[loop-end]
Die Methode: 360°-Rotation, Vergleich mit Referenzkompass, Abgleich im Code. Die Luft vibrierte leicht – feuchte Ionisierung – und ich dachte, dass der Regenwasserfilm auf den Spulen unsere eigenen Mikro-Induktionen dämpfte.
Messrunde I: über Beton
22:30–23:30 Uhr. Ich lief über den Dultplatz, das Notebook in den Rucksack gedrückt, Sensor auf 1 m Höhe vor mir. Jeder Schritt ein Datensatz: Magnetfeld, Temperatur, Luftfeuchte, Koordinaten. Autos an der Straße störten kurz: Peaks bis ± 60 µT. Werte glätteten sich nach drei Sekunden. Regen kroch unter die Ärmel, aber ich liebte dieses improvisierte Laborgefühl.
Zusatzmessung: nah am Fluss
23:45 Uhr. Extra-Test. Kaum 20 m Richtung Donauufer verlagert das Messfeld: weniger statischer Stahl, aber mehr Wasserflächenreflexion. Durchschnittswerte:
| Parameter | Platzmitte (µT) | Ufer (µT) |
|———–|—————-|———–|
| Mittelwert Bx | 12.3 | 11.8 |
| Varianz By | 3.9 | 2.1 |
| Anomalien p/h | 5 | 2 |
Klar sichtbar: das Wasser wirkt wie ein Gleichmacher – dämpft Spitzen, verlängert Feldperioden. Eine elegante Vergleichsreihe inmitten des Regens.
Mini-Story 2: Begegnung im Dunkel
Kurz nach Mitternacht tauchte ein Radfahrer auf, Neonjacke glimmte wie eine wandernde LED. „Machst du Fotos?“, rief er. Ich zeigte aufs Display: Wellenlinien, Datenstrom. Er: „Sieht aus wie Musik.“ Ich grinste. „Ist sie vielleicht auch.“ Dann war er fort, und der Regen nahm wieder das Solo.
Auswertung & Musterlesen
01:30 Uhr. Laptop summte leise, Daten liefen zusammen.
Ich schrieb in mein Log:
sampleTotal=5432
noise_avg=±4.5 µT
spikes>10µT: 27 occurrences
pattern: quasi-periodic @ 3.25 Hz
Am Bildschirm ein Netz aus Linien – fast wie Adern unter transparentem Gestein. Passau vibrierte in Feldbögen, Feldinseln, kleinen Löchern. Ich erklärte mich: Wechselstrom der Stadt + metallische Strukturen + Regenfilm = Resonanzmuster.
Projektion & Nachtbild
03:00 Uhr. Der Regen hatte aufgegeben. Wir richteten den Beamer auf den nassen Beton; jede Wasserperle streute das Bild anders. Magnetische Linien flimmerten, Schatten tanzten darüber. Zwei Passanten blieben stehen, kurz, wortlos. Für einen Moment war der Platz selbst die Leinwand einer stillen Frequenzkammer.
„Die Nacht leitet, wenn man sie lässt.“ – notierte ich mir später.
Nachklang & Archiv
04:00 Uhr. Alles gespeichert: Rohlogs, Fotos, ein paar Tonaufnahmen. Daten wanderten direkt auf den Server. Vielleicht vergleichen wir im Winter, wenn Frost die Leitfähigkeit ändert. Jede Jahreszeit könnte eine neue Taktfrequenz zeichnen.
Erkenntnis
Technik und Landschaft berühren sich leise – und trotzdem formt jede Bewegung Ströme. Ich glaube, die Stadt schläft nie. Sie sendet.
Mitmachen & Nachbauen
Wer legal und sicher testen will: verwende kleine Magnetometer-Module (z. B. HMC5883L) an Akku-Konfiguration, ohne Netzstromverbindungen. Messpunkte in sicherem Umfeld setzen, Abstand zu Hochspannungsanlagen halten, Daten anonym loggen.
Was ich nächstes Mal anders mache
- Doppelte Abdichtung der Stecker – Wasser ist ein listiger Kurzschlussfreund.
- Separate Kalibrierung pro Area, nicht alles in einem Loop.
- Mehr Vergleichsdaten aus Trockennächten.
- Live-Visualisierung per Smartphone, um Störungen sofort zu erkennen.
Mini-Datenreport
- Gesamtmesspunkte: 5432
- Durchschnittsfeld (Bx, By, Bz): ~(12.1, –3.8, 1.6) µT
- Spontane Peaks durch vorbeifahrende Autos: bis ± 60 µT
- Drift: < 4.5 µT/min nach Kalibrierung
- Regenintensität (Sensor): ca. 1 mm/h
- Stärkste Resonanzzone: nördlicher Platzrand, nahe Beleuchtung.
Und dann: Abschalten, Rucksack zu, letzter Blick über die spiegelnde Fläche – Stromlinien über Passau, eingefangen in der Nacht.
Bei nächtlichen Messungen im Freien immer auf Rutschgefahr durch nasse Flächen und Stromquellen achten. Elektronik gegen Feuchtigkeit sichern und nur mit isolierten Verbindungen arbeiten. Reflexionswesten und ausreichende Beleuchtung erhöhen die Sicherheit auf öffentlichem Gelände.
Alle erhobenen Daten dienen ausschließlich künstlerisch-wissenschaftlichen Zwecken. Keine personenbezogenen Aufzeichnungen wurden gemacht. Messungen respektieren Privatsphäre, Infrastruktur und örtliche Genehmigungen. Nachhaltiger Umgang mit Elektronik und Energie wird vorausgesetzt.
# Donau2Space Git · Mika/stromlinien_passau_magnetfeld # Mehr Code, Plots, Logs & Scripts zu diesem Artikel $ ls LICENCE.md/ README.md/ data_analysis_tool/ data_visualization_web_ui/ magnetometer_data_logger/ $ git clone https://git.donau2space.de/Mika/stromlinien_passau_magnetfeld $
Diagramme
Begriffe kurz erklärt
- Magnetometer: Ein Magnetometer misst die Stärke und Richtung von Magnetfeldern, etwa zur Bestimmung der Himmelsrichtung wie bei einem Kompass.
- HMC5883L: Der HMC5883L ist ein kompakter digitaler Magnetfeldsensor, der häufig in Kompass-Modulen für Mikrocontroller-Projekte verwendet wird.
- QMC5883: Der QMC5883 ist ein moderner Magnetfeldsensor, der als Ersatz für den HMC5883L dient und ähnlich funktioniert, aber andere Register nutzt.
- ESP32: Der ESP32 ist ein günstiger Mikrocontroller mit WLAN und Bluetooth, ideal für smarte Messgeräte und IoT-Projekte.
- Arduino Nano 33 IoT: Der Arduino Nano 33 IoT ist ein kleiner Mikrocontroller mit WLAN und Bluetooth, gut geeignet für drahtlose Mess- oder Steueraufgaben.
- Kalibrier-Loop: Ein Kalibrier-Loop ist eine Schleife im Programm, die Daten sammelt, um Sensorabweichungen zu erkennen und zu korrigieren.
- Datenlogger: Ein Datenlogger speichert Messwerte automatisch über längere Zeit, zum Beispiel Temperatur- oder Magnetfeldverläufe.
- Wi-Fi Mesh-Router: Ein Wi-Fi Mesh-Router verteilt das WLAN-Signal über mehrere Knoten, damit weit entfernte Geräte stabile Verbindung haben.
- Multimeter: Ein Multimeter misst elektrische Größen wie Spannung, Strom und Widerstand, nützlich beim Testen von Schaltungen.
- Rohlog: Ein Rohlog ist eine unverarbeitete Aufzeichnung von Messdaten, bevor sie gefiltert oder ausgewertet werden.
- Resonanzmuster: Ein Resonanzmuster zeigt, wie sich Schwingungen mit bestimmten Frequenzen verstärken, etwa bei Sensoren oder Antennen.
- Live-Visualisierung: Eine Live-Visualisierung zeigt Messdaten in Echtzeit, zum Beispiel als Diagramm auf dem Bildschirm.
- Referenzkompass: Ein Referenzkompass liefert bekannte Richtungsdaten, um andere Kompasssensoren zu kalibrieren oder zu überprüfen.


